DER VEREIN |
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| Europäisch Arbeiten - Landesspezifika
FrankreichFrankreich, das jüngste E.V.H.-Mitglied, stellt mit rund 15 Millionen
Hektar etwa 13 % der gesamten europäischen Waldfläche. Davon befinden
sich 70% in Privatbesitz. Zwei Drittel des Waldes sind Laub-, ein weiteres Drittel
Nadelholzwälder. Ein großer Teil davon geht in den Export; die französische
Holzindustrie belegt den siebten Platz auf der Weltexportliste. Demgegenüber
werden aber lediglich 2% der Häuser in Frankreich aus Holz gebaut. Obwohl
vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert in vielen Gegenden beim Hausbau die
Fachwerkkonstruktion üblich war, dominierte die Entwicklung von Steinhäusern,die
stets einen höheren Stellenwert hatten als in den nordeuropäischen
Regionen. Dies hängt mit den Besonderheiten der unterschiedlichen Klimazonen
Frankreichs zusammen. Während vor allem in den wärmeren, mediteranen
Regionen die Steinbauweise dominierte, so wurde lediglich im Elsaß und
in der Normandie die Holzbautradition bewahrt. Dennoch genießt der Holzbau
ein relativ hohes Ansehen, vor allem wenn es um Zweckbauten wie zum Beispiel
in der Landwirtschaft oder um Dachkonstruktionen geht. So gibt es - ähnlich
wie in Deutschland - seit dem Mittelalter eigene Zünfte; sogenannte Compagnons,
in denen sich Tischler, Stellmacher oder Fachwerkkonstrukteure zusammenschließen.
Was allerdings die Ausbildung betrifft, so war es um sie lange Zeit schlecht
bestellt: Während es Ausbildungsstätten für Zimmerer in großer
Zahl gab, stand für die Ingenieursausbildung im Holzbau im wesentlichen
nur eine Hochschule zur Verfügung. Techniker fanden dafür immerhin
vier Schulen. Erst seit einiger Zeit wächst die Zahl von Ausbildungstätten,
die durch staatlich geförderte Lehrgänge noch ergänzt werden.
Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern dominiert in Frankreich
die Vorfertigung von Holzkonstruktionen. Im Hausbau betrifft dies zum Beispiel
fertige Dach- und Wandelemente. Auch im Hallenbau werden wesentliche Konstruktionsteile
vorgefertigt. Für deren statische Berechnung wird nach den französischen
Normen DTU Règles CB 71 und NV 65 verfahren. Nur teilweise, etwa im Holzbau,
findet die deutsche Norm ergänzend Anwendung. Dagegen wird nach EUROCODE
5 in Frankreich zur Zeit nur wenig verfahren. Die Arbeiten an der französischen
Applikation des EC laufen noch. Parallel dazu gibt es jedoch aus Frankreich
von Innovationen zu berichten, die eine Besonderheit darstellen. Ein findiger
Holzimporteur hatte zur Vermarktung seiner Produkte eine eigene Abteilung eingerichtet,
in der Anwendungstechniken für Holzkonstruktionssysteme im Dachgeschoßausbau
oder im landwirtschaftlichen Hallenbau entwickelt werden. Diese Techniken werden
auch im Rahmen der Weiterbildung staatlich anerkannt. Ähnlich einem Franchise-System
werden dabei Lehrunterlagen zur Verfügung gestellt, mit denen ausführende
Zimmerer in ganz Frankreich geschult werden können. Ein Umweltgesetz, das
vor zwei Jahren in Frankreich verabschiedet worden ist, soll darüberhinaus
insbesondere Holzkonstruktionen im Bauwesen fördern und damit dem Holzbau
insgesamt Zuwächse bescheren. ÖsterreichDemgegenüber wird in Österreich, einem Gründungsmitglied der E.V.H., der Holzbau staatlich nicht gefördert. Mit 3,9 Millionen Hektar verfügt Österreich zwar nur über ein knapppes Viertel der Waldfläche Frankreichs, aber nahezu die Hälfte der Geamtfläche der Alpenrepublik - 46 % - ist von Wäldern bedeckt. In Frankreich sind dies nur 30% der Gesamtfläche. So wundert es nicht, daß die "Hölzernen" in Österreich ihre Tradition haben. Im Unterschied zu ihren französischen Kollegen fanden sie allerdings - je nach Standort - bei Bauvorhaben keine einheitlichen Vorschriften vor. Wo in Frankreich - seiner zentralistischen Struktur entsprechend - in Paris, Lyon oder Marseille die gleichen Bestimmungen gelten, da war der österreiche Holzbau mit den Bestimmungen der jeweiligen Bundesländer konfrontiert. Ein Beispiel: Im Rahmen der Brandschutzvorschriften in der Steiermark mußte bis vor drei Jahren noch eine Treppe zwingend aus Beton gefertigt werden. Heute sind dort auch Holztreppen erlaubt, ebenso wie dreigeschossige Häuser, die bis dahin nur in Vorarlberg gestattet waren, wo der Holzbau traditionell und der Vorschriftenkatalog entsprechend progressiver war. So haben sich in den vergangenen Jahren in den österreichischen Brandschutzverordnungen einige der in den Bundesländern unterschiedlichen Vorschriften und Normen geändert. In ganz Österreich sind dagegen die Ö-Normen verbindlich, die allerdings nur die statistischen Lasten behandeln. Architekten, die mit ihren Entwürfen dem Baustoff Holz eine zukunftsweisende Bedeutung geben wollen, müssen damit unter schwierige Gratwanderungen in Kauf nehmen: Zwischen allgemeinen Normen und individueller Kreativität gilt es, die spezifischen Probleme jedes einzelnen Holzbaus selbst in den Griff zu kriegen. Und das ist keine leichte Aufgabe, zumal Österreich - anders als Deutschland zum Beispiel - in Sachen Holzbau nicht gerade als experimentierfreudig gilt. So glaubt denn auch der österreichische Architekt Ernst Giselbrecht nicht, daß durch Normung die Probleme des Holzbaus gelöst werden oder Architektur in Holzbau gefördert wird. Schon eher werde man dahin kommen, Holzhäuser aus Fertigteilen zu bauen. ![]() Abb.: Aufbau eines Holzdaches für die Expo |
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